Für einen gewissen Zeitraum (üblicherweise einige Wochen nach der ersten Indizierung) "springt" die Website in den Suchergebnisseiten von Google & Co. auf die vordersten Ränge - Projektverantwortlicher, Implementierungsbeauftragter und sonst-irgendwie-am-Website-Unterfangen-beteiligte Personen strahlen vor Stolz und Zufriedenheit.
Priorität neuer Inhalte
In seinem Bestreben, möglichst aktuelle Inhalte zu liefern, hat die Suchmaschine dem unter der jeweiligen URL angeführten Inhalt einen "New Content Bonus" verliehen. Dieser verfügt jedoch über ein (inhaltsabhängiges) Ablaufdatum, nach dessen Überschreiten die indizierte Seite wieder zurück an ihren rechtmäßigen Platz in der Einstufungswarteschlange rutscht. Diese Position ist keineswegs endgültig: Wer die Platzierung einzelner Seiten in den Suchergebnislisten über einen längeren Zeitraum betrachtet, bemerkt einen Vorgang, der in der Technik als "Fuzzy Logic" (verschwommene Logik) bekannt ist - ein Beispiel hierzu ist die Annäherung einer heiz- und kühlfähigen Anlage an einen Ziel-Temperaturwert: Sie heizt, bis der Vorgabewert überschritten wurde, kühlt danach, heizt wieder - um in einer Auf- und Ab-Pendelbewegung die Schwankungsbreite immer weiter zu reduzieren - im Idealfall "hält" die Anlage den Wert dann mit minimalsten (und vernachlässigbaren) Abweichungen und arbeitet "genau".
Google arbeitet (unter anderem) mit einer ähnlichen Logik: Dem Gesetz der großen Zahlen folgend hat jeder Suchergebnisrang (Platz 1, 2, 3, ...) eine durchschnittliche Klickrate. Entfallen nun überdurchschnittliche viele Klicks auf beispielsweise den dritten Eintrag, so ist dieser für Besucher anscheinend interessanter/wertvoller als die darüber genannten - und Google "korrigiert" seine erste Einschätzung der Website und damit auch die Suchergebnislisten.
Google is watching
Auch ein Klick auf den "Back"-Button bleibt nicht unbemerkt: Kehrt ein Besucher von einer der angeführten Trefferseiten über den "Zurück"-Knopf seines Browsers umgehend zur Suchergebnisliste zurück, so liegt der Schluß nahe, dass der entsprechende Link nicht die "richtigen" Informationen zur eingegebenen Suchbegriffskombination liefert - und wird zurückgestuft. Selbstverständlich hängen derartige Ranking-Bewegungen nicht von einer einzigen oder einer Handvoll Verhaltensanalysen ab - bei einer Vielzahl vergleichbarer Muster ergibt diese Logik jedoch durchaus Sinn - die Seitenbesucher als "Redakteure" der Webinhalte.
Auf Basis des oben erwähnten Datenmaterials testet die Suchmaschine kontinuierlich die Reihung der Links in den Ergebnislisten - denn diese sind keineswegs starr. Die Seitenverweise wandern scheinbar willkürlich nach oben (und unten) - werden dabei jedoch kontinuierlich mit ihren "Soll"-Klickwerten verglichen und alle Abweichungen für die laufenden Korrekturen berücksichtigt.
Über Umweg zum Ziel
Unter Berücksichtigung des oben erwähnten Ansatzes offenbart sich rasch das "Patentrezept" für Website-Traffic: Inhalt, und zwar guter. Gemeint ist hier nicht der gesamte Produktkatalog des Unternehmens - Besucherströme für Shop-Verkaufsseiten zu generieren ist unverhältnismäßig schwieriger - sondern Inhalte wie How-to's, Tipps oder Wissenswertes. Die Rolle des Webs als Nachschlagewerk zu vernachlässigen ist ein Garant für entgangene Umsätze - Besucher sind (noch) nicht prinzipiell mit einer Kaufabsicht im Netz unterwegs. Einer Amazon-Umfrage mit dem Titel "Was wollen Sie heute bei Amazon tun?" zufolge liegen "Informationssuche/Recherche", "Stöbern", etc. viel weiter vorn - die Kaufentscheidung erfolgt impulsartig im Zuge der zuvor erwähnten Tätigkeiten.
Die wichtigste Regel bei Traffic-Steigerungsvorhaben lautet also: "Content first" - nach diesem Motto agieren die Suchmaschinen schon lang.




